zeichen=folgen

 

fuer jedes jahr seit 2010 ein gedicht; nicht=exemplarisch. weiter unten, drei sich verzweigende texte.

 

 

handlungsanweisung (2015)

den kopf in die hände nehmen: nachdenken
ihn als dann etwas anderes bezeichnen
hinhören: wo einmal der kopf war?
eine stimme ohne stimme… –
weitere hände zu ohren spitzen
daraus wörter hervorpressen
aneinander ordnen: satzartig
satzartiges zusammensetzen
mittels gedachter stimme lesen

 


 

 

aufgebrochen (in der sprache der jaeger & sammler) (2020)

guerilla1 gardening wie stadtteilweises gelenkestraeuben
verzicht ich auf biotope hoerst du dann black metal bitte
tauschen wir uns eventuell dein leid gegen mein leid aus
blosz stechen dornen identisch in den augen die wirkung
eruebrigt sich hat quasi metaphorisch eh keiner bezeugt
als ein paar risse im asphalt planerische nutzmasznahmen
sich aufgetan haben verwelkt zur zweckgemuesehaltung
bereits die erste auberginenpflanze weshalb da niemand
ernten will zwischen hundepipi & glasscherben-gebruell
traeumt sich kein traum von zarten blattspinatplantagen
lassen jugendliche kippen-klippen alle brandungs-ideale
& die natur kuemmern kenternde halt kaum zerschellen

1 oehm sorry nein ich meinte natuerlich urban

 

 

 

 

 

 

 

 

su-such-such such such-suchen (2018)

zur stillzyklopaedie des waldes
begleitet uns ‘meisemsigkeit

hier schallt ja ruhe dichterlaunen
ach wenn sich doch kein mensch…

durchs unwegsame schattendickicht
wo strahlensonnen rinden kehr‘n

schwel’n uns gar blattbehagelt musen
& treiben wort
=knosp‘=lirien

nur frueher mal schien  g a n z  europa
von buchenkuessen einge’llull‘t

nun fichten letzte lauoasen
gegen der nadeln surrogat

 

 


sobald so bald (2017)

lebende schritte(n)
aus verendeten
brech-/brachen den kreis

gleich zirkel(n)
ohne punkt

fast zeitwä(h)rt(/-)s
orientiert

& anders
=wie  

 

 

 

 

 

körper und nichtkörper (2012)

 der körper als körper

des anderen wirkt

auf den körper

woraufhin der körper

sich selbst projiziert

und in sich bereits

sozusagen als idee   nicht

körperhaft verkörpert   den nichtkörper erklärt

den körper enthält

                            

 

taumel des verlangens (2010)

 

  es fehlt an bestimmtem

        an konkretisierung

                           des lebens

                           des sterbens

                           des nichts

           taumelnd ertrinken worte

                                vergehen

                  in der eskalation

          ihrer verzweiflung

                auf der suche

                         nach sinn

                     gierig

         sammeln wir

         ihre leichen

            auf

         hauchdünn

                gepressten seiten

           worauf

               taumelnd

               steht

               kondensierter wahn

             der urgrund des schmerzes

                  ist

          der urgrund der liebe

                           sich stoisch ergießend

        in den urfluß des seins

   taumelnde leere steriler genüsse

          zwischen den wogen

            glänzen dornen:

            erhitzte schreie

             sind auf der flucht

 

 

 


:::profunde symmetrie::: (2013)

:::sehnsuchtsheischend blitzt auf die fläche deiner hand:::

:::darauf bilden sich ab: unsere geteilten arabesken:::

:::von goldenen erinnerungsaureolen umkränzt:::

:::suchen sie durstig die gestirne die sie lenkten:::

 

  

:::zu finden wo unserer augen blick sich nun vereint:::

:::nähe und liebe baumeln an tragisch lauen lippen:::

:::über deren gestade :: noch :: worte der freundschaft fließen:::

 

 

:::wir kennen uns durch schmerz wie leid::::gestalten:::

:::was wir ::: ganz von vorn ::: in glück verwandeln wollten:::


 jagd=satz=jagd (2016)


behauptung nun des raumes
komma
selektives memorandum
siehe oben
zwischen wort & zeilen
gleiszt auch verhohl'ne lust
semi
=kolon
verhängnisvoll die schwebe
schon wieder
zerklüftet wirken zeichen
repetiere
alle akte läutern
spannung
nie
gleich nacht
wie
schuss
=punkt=schuss
tag
augen zu
heiszt
aus
klingt tot
meint schluss

 

leere gier (2011)

sie haben sich gesättigt

an meinem fleisch

mit ihren dunstkrallen

glauben sie

doch noch ohne

sie gekannt zu haben

war bereits mein abschied

da wo ich ihn niederlege

im herzen der fremde

 

 und würzig blühen

vereitelte träume

sehnsüchte

auf einem schmalen gesicht

 

 

 

 

zum minotaurusbarbecue (2019)

himmelherrgottsapperlot
entgrummelt es versoff‘ner kehle
der meinen naemlich denn allemal hatte ich mir die sache
ganz anders vorgestellt lustiger vielleicht oder mit mehr
nervenkitzel na so ein richtiges old-school-abenteuer halt
inklusive monsterdreschen & danach selbstverstaendlich
der das dankbare weil nun gerettete wesen beinhaltende
kopulationsakt aber nein leider umsonst die motivation
dahin wenn ich nur an die jahre der entbehrungen denke
an die taeglichen trainingseinheiten das studieren uralter
mystischer texte die keuschheit ja primaer diese absurde
keuschheit wofuer ueberhaupt dann wird ‘s mir schlecht
was allerdings genauso gut von den graesslichen wuersten
kommen koennte schoen bescheuerte idee daerme ohne
passende metzgerutensilien & sachkenntnis sauberkriegen
das fleisch kleinmachen & reinstopfen zu wollen pfuideibel
schmeckt beschissen & das im wahrsten sinne des wortes
zum glueck sind noch einige tunichtgute vorbeigestreunt
denen ich die sauerei & meine luegenmarchen wie ich die
bestie angeblich erlegt habe auftischen darf & keiner ahnt
dass ich eigentlich vegetarier bin & die sogenannte bestie
war blosz ein halb verhungerter stier mit suizidtendenz &
statt gegenwehr drehte er mit seine brust hin damit mein
stosz recht sauber in sein herz dringen konnte & er erlag
im tod zumindest mensch & ich folglich kannibale ach egal
das legendaere labyrinth eine reine farce das heisz ersehnte
lustobjekt verschollen & ich um triste erfahrungen reicher

 



begegnungen von begegnungen von etc. etc. etc. ad infinitum (2014)

und jede begegnung lese – be
=zogen,
auf eine wahr
=ge=nommene begegnung
in permanenter ver
=änderung –,
perspektiv(
=un(?!))=ab=hängig anderes,
allerdings, schreibe, dann reagierend –
als aus
=sage(n=)resultat –,
sehr geschuldet, ihrer von kompromissen
und an
=passung konditionierten sprach=funktion,
etwas – aus ihrer (?!) sicht (?!) – dem der anderen gleichendes
– bzw. sich daran orientierendes –, wenigstens
insofern ihre vor
=stellungen sich gegen=seitig
relativ widerspiegelnd – beziehungsweise: aufgrund diverser
motive achte eine darauf, nicht zu sehr ab
=zu=weichen,
von dem, was sie für den akut situations
=immanenten konsens
(für sie (subjektiv
=)relevanter) anderer erachte –
determinieren; denn siehe:
ver
=schiedene be=dingungen theoretisch ge=stalten
ver
=schiedenere formen, aus demselben ausgangs=stoff,
tat
=sächlich spielen in= wie gegen=ein=ander,
un
=unter=brochen, ent=fernung (sich zu spalten(, auf=/von) (?!))
und an
=näherung/=gleichung (sich zu ein(ig?!)en(, ver=/mit) (?!))
– das eine weniger, das andere mehr – aller beteiligten,
ergo: aller: was be
=deute:
stets sei jede begegnung für eine jede
relevant.

 

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das rad der wiedergeburten

wenn der mensch nicht weiterkommen kann,
so hilft er sich mit einem machtspruche oder
einer machthandlung – einem raschen entschluss.
– novalis; das theoretisches werk

I
dreh dich zum allerletzten
mal um von innen nach auszen
oder ebenso auch umgekehrt
wende dich verwandle dich
leere dich aus & schau genau
hin was sich dir darbieten will
ueberwiegt das schoene
so begib dich stolz zu VI
ueberwiegt jedoch das leid
waerst du bei II vielleicht
besser aufgehoben


II
jetzt mach dir keine sorgen
die ganze sache verhaelt sich
an sich fast voellig normal
& das leben geht wohl schon
seit jeher mit den schmerzen
hand in hand ja vergiss dabei
nicht die aufgabe des sacks
unablaessig dinge anzusammeln
& sobald du ihn geschuettelt hast
beginnen die grenzen der gebilde
zu verschwimmen & es entstehen
seltsame mischkreaturen vor denen
du dich fuerchtest & die du
deshalb in deine tiefen verbannst
aber stellst du dich nun
endlich schreite tapfer zu V
& schluckst du sie wieder
das heiszt du beharrst
weiter darauf deinen wahnsinn
blind & hoerig anzufeuern
schleiche etwas heimlicher
zu IIII


III
ein meer aus missverstandenem
& du tropfen & salz zugleich plagst
dich ab mit tausenderlei schwierigkeiten
in schier jeglicher erdenklichen hinsicht
unfaehig das naechstbeste zu fassen
zu kriegen begnuegst du dich meist
damit an hie & da abfallendem gefallen
zu finden wenigstens redest du
dir das ein & versagst schnell weil
es sich um verwechslungen handelt
zum beispiel haeltst du fluessiges
fuer festes & umgekehrt bestehst
du auf deinen festgefahrenen registern
& oede abgeschmackten kategorien
waehrend dein tanz zwischendrin
eine aueszerst laecherliche maske aufgesetzt
bekommt loesen sich dank der bewegung
& den vibrationen verklebte makel
mutmaszliche gewichte & du treibst
deutlich leichter dahin verwuenschst
dich diffundierst verschwindest tauchst
auf & erklaerst dich dir via annaeherung
mithilfe des vereinfachens von I & falls
dir eine flucht gelegener kommt
verbirg dich halt in den hoehlen der VII


IIII
du lauschst dem wind er spricht
an der zeit scheiden sich die geister
& die lauteren schwingungen
der zufriedenheit verstummen
wenn du das haus verlaesst
seine tuer krachend ins schloss faellt
starrst du gen nichts & siehst
einen haufen gaehnender chimaeren
sicher du versuchst sie zu uebersehen
derweil vergeblich sie kriechen durch
deinen schlaf trinken deine traeume
bespeien deine freude mit ekligem
gruenen schleim wuergen dich
stoszen dich ruppig hin & her
stellen dir das bein raufen dein haar
wuchern in deinem fleisch
unheilbare krebsgeschwuere
& schlieszlich verschlingen sie
deine haut es bleibt ein haufen
gaehnender chimaeren von dir
keine spur & kein lied ertoent
ueber den traurigen wogen von VII
dafuer unter dem spiegel der III
umso verstoerender


V
irgendwann war eine kindheit
die deine & du hortetest
am anfang ziemlich unbedarft
erfahrungen nicht immer
angenehme von der jugend
schweigst du zu dunkel
schwaeren deine narben
& dann erst die adoleszenz puh
& exakt darum setzt du darauf
deinem irren verkorksten garten
eventuell endgueltig zu enfliehen
dein kompass ein mandala
wodurch du den in sich ruhenden
eremiten schuechtern markierst
in seiner abgeschiedenen klause
mitten im getuemmel der stadt
sehnst du dich nach leisen
toenen erhabenem moenchsgesang
& mit sehr viel glueck enttarnst du
deine daemonen & es gelingt
dir sie insoweit zu nivellieren VIII
dass sie dir nicht mehr zu schrecklich
erscheinen & scheiterst du
schoepfst du neue kraft unter VII


VI
weh dem der sich mit lorbeeren
schmueckend sich beraeuchernd
weihrauch opfert denn immerhin
sind diese tollen sinnesweiden
deine scheinerrungenschaften
in wirklichkeit gar nicht die deinen
sondern dem zufall zuzuschreiben
der dich vor ueblerem behuetend
dir des daseins sonnenseiten
nahebringt & genauso haette
er dich anders treffen koennen
also warum nur grinst du frech
von oben herab auf jene menschen
die mit ihrem schicksal hadern
& sich selbst nicht lieben duerfen
insgeheim dem hass ergeben
sich von grunde auf verfluchen
sag was schwebt dir vor
bereust du dein dich drueber heben
bescheide dich mit VIII
& trittst du lieber mit den fueszen
auf dir vermeintlich unterlegene
trample stur zu VIIII


VII
du lachst du weinst du wisperst
du schreist du verharrst tatenlos & still
rezitierst du die verworrenen poeme
der isolation o du bezeugst den aufstieg
& den verfall zahlloser generationen
& von ihren zeugnissen verkuendest du
die die architekturen konzepte & konzeptionen
deiner meinungen & perspektiven
ausmachenden mythen & sagen & maeren
jawohl du ertrinkst durstig im sumpf
bizarrer metropolen besuchst du
edle gemaecher duesterer haendler
exotischer gewuerze von drogen
benebelt wanderst du ueber die duenen
zu asche staub & sand gewordener
ruinen & marschierst du nicht oft 
fuer gierige herrscher & -rinnen
& rennst du nicht selten davon &
versteckst dich in auswaschungen
gestruepp & im unterholz
& du rasierst dir den schaedel bemalst
dein gesicht schluepfst flink & traege
in fremdartige kluften atmest durch
& empfindest erleichterung
beim anblick eines einsamen hirten
der seine karge mahlzeit mit dir teilt
& langsam daemmert dir woran du bist
du bist bereit du empfaengst die VIII
beziehungsweise du wirst empfangen
& hast du dich komplett verschaetzt
erwartet dich eine ungute VIIII


VIII
aetschi baetschi reingelegt
mutwillig uebers ohr gehauen
getaeuscht belogen abgefertigt
& fintenreich ausgeschmiert
kannst du dein nirwana knicken
solange du du bist du seist
ungefaehr knapp ein bewusstsein
mit gedaechtnistruemmern angefuellt
zehrend aus erratischem
illusionaerer trugvisionen
exzesse falscher historie
sich sein ich halluzinierend &
strauchle es mit amnesie
& vegetiere es
egal wohin dahin im koma
et cetera et cetera
jede dynamisch sich wandelnde persona
sorge dafuer strikt
& akkurat nimmst du jetzt & hier
explizit fuer zu wahr & kein hokus
pokus keine zauberformel kein
alchimistischer trick kein reset & sprung
ins naechste frisch gezinkte spiel schenkt
dir heilmeditierend das innig heisz ersehnte
erleuchtungsabschlussverfahren mit einem knall
einem wuchtigen ausloeschung gewaehrenden
filigran ziselierten opulent verzierten
bronzegong stagnierst du & du entfliehst
nicht gefangen im faden kerker deiner pittoresken
somnambulen elendiglich von dir besessenen
pseudoimagination
ergo klopf die mauern fein
saeuberlich  penibel nach
einem optional gediegenen
escapepunkthohlraum ab
& beschwichtige dich in geduld dich
uebend gehorsam unter I

 



VIIII
weit uebers ziel hinaus geschossen
kreist du taktlos um die ferne
abgefahrener sternenwelten hast
unserer zwangbeladenen schwerkraft
frech & frei entsagt dich gar
zum tierkreiszeichen aufgeschwungen
zumindest ist was du zu glauben meinst
ein symptom deiner selbstverleugnung
hybris hochmut groeszenwahn
fuehren dich eng an ihren faeden
& trotzdem fuehlst du dich deshalb
keineswegs recht arg gegaengelt
nein du bist ganz ueberzeugt
davon selbstbestimmt zu handeln
& natuerlich folgt bald drauf der fall
bis du zerschellt zu tausend scherben
klagend unter erde kauerst
& gelaeutert klarer glotzend
heulend um vergebung flehst na gut
noch eine chance sollst du kriegen
begib dich reduziert aufs wesen
gereinigt hin zum start & durch
lauf die strecke ein bisschen weiser
& danach pruefst du dich bei I


 

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artist in residence

Um zu überleben und etwas hervorzubringen, strebt ein lebendiges System eine Art Gleichgewicht an; trotz der ständigen Bewegung seiner Bestandteile behält es seine Gestalteigenschaften. Es versucht in Einklang mit seiner Umgebung zu kommen, den Austausch der Materie zu optimieren und stabil zu bleiben.
– Jan Turnovský; aus: The Weltanschauung as an Ersatz Gestalt

I
die grundflaeche des raumes, in dem du dich befindest, aehnelt einem leicht gestauchten kreis. dein ebenfalls rundes bett besetzt sein ungefaehres zentrum & ueber dir ruht das sphaerisch konkave innere einer sanft gewoelbten kuppel. solltest du dich jetzt erheben, duerften dir fuenfzehn grosze schritte wohl vollauf genuegen, um zu der schmucklosen wand aus grob behauenen, unverputzten dunklen steinen zu gelangen. vier regelmaeszig verteilte, ovale loecher durchbrechen die geschlossenheit des soeben beschriebenen mauerwerks & gestatten dir blicke nach drauszen. falls du das moechtest, siehst du ein weitlaeufiges meer flacher daecher & vereinzelt eingestreute tuerme. nicht unweit von dir erstreckt sich allerdings auch ein riesiger freier platz, der gelegentlich von menschenansammlungen eingenommen wird – mehr dazu spaeter. am horizont, dort, wo die stadt endet, verschmilzt die silhouette ihrer verschwimmenden konturen mit dichten waeldern, feldern & auen. wendest du dich erneut dem interieur zu, springen dir praktisch sofort folgende details ins auge: eine freistehende toilette; ein winziges bassin mit flieszendem wasser; die klappe – sie beziehungsweise der hinter ihr verborgene mechanismus, eine art lastenaufzug, dient deiner taeglichen versorgung mit lebensmitteln, bedingt notwendigen zusaetzlichen accessoires sowie zur entsorgung von abfall, schmutzwaesche & aehnlichem –; ein gigantisches, den gegebenheiten gemaesz gebogenes regal voll ambivalenter materialien, werkzeuge & geraetschaften; der spiegel – du gleichst einer mumie mit eingefallenen wangen, ausgedoerrter haut, wuest herabhaengendem fleisch & mageren armen & rippenboegen. kraftlos sinkst du zurueck auf dein kissen. schlummerst du ein? V. oder versuchst du, dich an die zeit vor deiner isolation zu erinnern? IIII.

II
uebellaunig, miesepetrig & profilneurotisch vor dich hin murrend & motzend, flaezt du dich auf dein gewohntes ruhelager & ueberantwortest dich, unterwuerfig – devot –, den parteilos neutralen tentakeln eines komaartigen entschwindens, die dir indes nicht den innig herbeigesehnten hauch von linderung gewaehren – vielmehr glaubst du dich umzingelt: daemonisch skalierte phantome – makaber zusammengewuerfelte aggregate – verspotten, verhoehnen & berauben dich… &, in der tat, als du dich einige stunden drauf eher zoegerlich den modrigen kammern widerlich schleimiger finsternis entschaelst & behaebig einem signifikant luzideren zustand zutaumelst, bemerkst du recht bald das fehlen deines – deines erachtens – hochgradig misslungenen kuenstlerischen exzesses & vernimmst stattdessen ein vom bereits eingangs erwaehnten, auszerhalb deiner reichweite liegenden versammlungsort zu dir her dringendes johlen & jubeln. o, du vermutest scheuszlichstes, eilst zum fenster & wirst wider deinen ausdruecklichsten willen zeuge der laecherlichen karkikatur einer wertschaetzenden praesentation der ergebnisse deines schaffens – eine grob gezimmerte, dilettantisch improvisierte, schaebige holzbuehne beherbergt das dir entwendete objekt nebst frueheren & dich ebenso wenig befriedigt habenden exemplaren deiner phantastischen eskapaden: poeme, beschaedigte bruchstuecke von installationen, plastiken & etliches undefinierbareres… ach, ihr elenden strauchdiebe!, jammerst du, habt ihr keinen respekt vor den beduerfnissen, neigungen & urteilen eines begnadeten, unvorstellbar talentierten meisters – einer unvergleichlichen koryphaee auf ihrem delikaten, den meisten von euch eh nicht zugaenglichen terrain?!! ihr huldigt – stumpf, dumpf & naiv; kapiert ihr es nicht? – einem missratenen fetisch! ha! meine geniestreiche zerstoert ihr & meine aberrationen stilisiert ihr zu gold?!! ihr verbloedeten narren, banausen & taugenichtse! ewige schande ueber euch, eure kinder & kindeskinder… aber deine bescheidenen energievorraete verpuffen synchron zum windigen strohfeuer deines infantilen wutergusses & du resettest – deine umgebung leidlich sondierend –: dich. I.

IIII
nun denn: dein psychischer, nein, lediglich annaehernd allegorischer krakenleib aus ambivalenten & substanzlosen schatten & schemen hangelt sich – laengst jeglicher echten orientierung verlustig gegangen –, panisch greifend & hoechstens scheinbar etwas zu fassen kriegend, durch ein monstroeses, fremdkoerpergespicktes, korrumpiertes nebelherbarium. du rearrangierst, ohne konkreten plan, je nach aktuellem, emotionalem kontext, bizarr anmutende pseudofragmente – dieselben bausteine, dir entfliehende chiffren, schriftzeichen deines bisherigen weges, erzaehlen dir divergierendste konfuse geschichten – dubioser gestalten zu zur unkenntlichkeit verdammten verzerrungen ihrer einstigen – davon gehst du, unbewusst, gefangen, im bannkreis hypnotischer vexierbilder, aus – & nicht wiederherstellbaren ausgangssubstrate. richtig, deine gesamte wankende, bruechige persona fuszt auf dermaszem opaken fundament, dass du nicht die geringste moeglichkeit hast, deine tatsaechliche herkunft offenzulegen; allein, dir mangelt es schon an zumindest ungefaehren skalen & referenzwerten zur vagen einschaetzung, ob eines dieser grausam zerfetzten sinnkonglomerate mit denen du dich, zugegebenermaszen, sowieso nicht wirklich allzu akribisch auseinandersetzt – ansonsten gelaenge es dir vielleicht ja doch, spuren zu entziffern –, auf direkt von dir getaetigten wahrnehmungen beruht respektive ob es sich um ein vom hoerensagen & irgendwann aufgeschnappten inspiriertes, reines vorstellungsprodukt handelt, dessen theoretisch wiederum ad infinitum partitionierbare einzelelemente noch diffuseren ursprungs sind.
perseverierst du dein vorhaben trotzdem? IIII. & laesst du dich fallen? V.

V
du traeumst, den einen, immer wiederkehrenden traum: ein mickriges, loechriges fischerboot wird zu deinem souveraen tuckernden kutter. wochenlang ueberquerst du sie, die unermesslichen massen eines uralten & ehrfuerchtig von dir gegrueszten ozeans – & das trotz deiner unbeschreiblichen angst vor untiefen & saemtlichen eventuell darin verborgenen & lauernden gefahren. &, schlieszlich, eines wunderschoenen, herrlich wolkenlos erstrahlenden tages – bunt schillernde delphine schieszen ekstatisch in die salzgekuesste luft & schweben, schwerelos zappelnd, umher –, erreichst du das steil bewaldete ufer – es wimmelt vor quirligen, fetten schlangen & dir unbekannteren, deutlich sonderbareren tieren; hektisch rutscht du abhaenge hinab & schaffst es blosz selten hinauf – einer furchtbar fruchtbaren – a-hi, a-ho! mineralisch induzierte flora-fauna-explosion! – insel; & hier, am idyllischen rande zahlloser fast gaenzlich von giftigen dornenbueschen & seidig raschelnden farnen ueberwucherter pfade & zeremonieller gebetsflaechen – das heilige labyrinth beizeiten ausgestorbener goetterrassen –, spielen zwei plump wirkende menschlein kaempfen & schikanieren sich abwechselnd gleich gegenseitig – ein riesengroszer imposanter & ein ziemlich kleiner –, per exemplum nimmt der riesengrosze imposante dem ziemlich kleinen – hoehnisch grinsend – essen & trinken aus der hand & ihn auf den arm – den ziemlich kleinen, wohlgemerkt. & & &, selbstverstaendlich – selbstverstaendlich! –, flanieren, dazu komplementaer, diverse schaulustige vorbei; sie lachen & applaudieren – tosend! –, woraufhin der mittlerweile zorndunkelrote ziemlich kleine herunterhuepft & die krummen beinchen hochzieht, waehrend – er setzt sich schnurstracks in seinen eigenen bauch – seine hintere partie eine verwandlung in eine vordere erfaehrt: dichte haare schieben sich quasi blitzschnell zur seite, ein zweites gesicht erwacht & der offensichtlich ausgefuchstere der beiden symbionten – die glasklare notloesung – stellt sich der feuertaufe & siegt, gnadenlos – ganz genau –, & dann & dann & dann, ein geraumes weilchen spaeter, improvisiert ein ueber & ueber & ueber & ueber & ueber mit musikinstrumenten behangener alter zur feier seiner neutralitaet ein archaisches, via heiseren gesang monoton unterlegtes lied – & niemand darf ihm seine saiten streicheln & tut es einer, versteckt er sich hinter einem strauch, murmelt obskuren nonsens & raucht verwundert aus den ohren. & du, du folgst ihm dennoch, in die endlose wueste falscher prophezeiungen & anomalien, & ploetzlich musst du dich ueberall kratzen: hey! sandfloehe! sie bohren sich unter deine haut & nagen dir die muskeln von den knochen… schweiszgebadet springst du auf! nutzt du das wahrlich ungeheure potenzial der dich umtreibenden, akkumulierten impulse, indem du dich austobst? VIII. & weigerst du dich, deinen eingebungen zu gehorchen, & schaltest du lieber auf stur? VI.

VI
deine wogen – massive symptome eines intraindividuellen konflikts – senken & glaetten sich nicht, sie erstarren; jawohl: du bist ein ausgemachter experte, darin, dich selbst zu sabotieren, dir selbst ins schale, veroedete gewebe zu schneiden, dir selbst raue knueppel zwischen die duerren, unbeholfenen beine zu schleudern, rostige messer – lange metallische hohlnadeln – von hinten in den ruecken – in die nieren – zu stoszen & dich ausbluten zu lassen, dir deine besten & schlechtesten chancen zu nihilieren, dich dir selbst in deinen eigentlich barrierearmen straszen & gassen entgegenzustellen & den numinosen fluss des seienden seins – kein panta rhei, fuer dich – kurzsichtig & ignorant aufzustauen & jedwede verantwortung – schuld –, dafuer, ausschlieszlich bei anderen zu suchen. ergo: pathologische stagnation – vergebliches aufbaeumen; du lenkst dich ab, spaehst aus den verschrobenen ritzen deines pervertierten asyls & erkennst eine fratze, die deine, in den dynamischen reflexionen einer sproede missgestalteten welt: VI. & beugst du dich, endlich, dem imperativ deiner musen? VIII.

VII
gluecklich erschoepft laesst du das chaos – in relativem gegensatz zu deinem verstaendnis von ordnung – chaos – in relativem gegensatz zu deinem verstaendnis von ordnung – sein, vergraebst dich unter deiner decke & verfaellst nahezu augenblicklich den aesthetischen verlockungen eines profunden & deine sinne weitestgehend betaeubenden, hinlaenglich erholsamen schlafs. umso wuchtiger trifft dich der herbe schlag des die welke maske deines zu vorfreudigen – fanal des fatalismus; vernichtet, die hoffnung, dich im widerschein deines werkes sonnen zu koennen – laechelns von deinem antlitz reiszenden schocks, nachdem du langsam wieder zu dir gekommen bist & mit rapide zunehmenden schrecken die mutwillig verstreuten fetzen deiner arbeit registrierst. sie… sie waren das… sie… ihr ranzigen sauschweineruessel!, plaerrst du, hysterisch keifend, meckernd, bellend, ich scheisz euch die japsenden eingeweide eurer feisten haelse mit gruenlich vergorener kacke zu! & erzeuge ich dabei, gewissermaszen implizit, die stoerrische wachskaskade eines schaurig stockenden erbrochenen, welches euch tod durch ersticken bescheren wird, zweigt sich keinerlei triumphieren ab, vom scheelen haupte meiner kontinuierlichen erniedrigungen; weil: zerdrueckst du eine wanze, quellen anstelle des kadavers ihrer tausende hervor… & sie treiben ihre boesen spaesze & possen & ergoetzen sich, an deinem leid... bittere traenen triefen – du suhlst dich im eklen morast rigorosen selbstmitleids – & verwandeln sich in scharfkantige salzkoerner, du hast deine fluessigkeitsreserven verbraucht & kapitulierst: du raeumst auf – rekalibrierung der umstaende –, heuchelst – virtuell: tabula rasa – amnesie & ergibst dich, von deiner regenerationsstaette aus, dem tragischen schauspiel einer minderpeniblen bestandsaufnahme. I.


VIII
wie besessen – will heiszen: gesteuert & automatisch: obskure entscheidungsschablonen samt dementsprechenden verhaltensmotiven geistern durch deinen aufgeregt wabernden schaedel: die existenziellen metamorphosen synthetischer praesedenzfaelle – beginnst du, blindwuetig, angefangene farbtiegel aus ihren staubigen versenkungen zu zerren & sie gemeinsam mit verschiedenartigsten pinseln, sieben, teppichmessern, rohstoffen fuer stempel et cetera et cetera et cetera auf dem boden zu verteilen. zum schluss schnappst du dir eine dicke, schwere papierrolle; du breitest ein ordentliches stueck davon aus & voila: es kann losgehen! weiche & harte, gekruemmte & vermeintlich gerade, schmale & breite striche – dein physischer avatar tanzt in skurriler trance –, abdruecke & angepustete, verlaufende & verlaufene spritzer ergaenzen sich – mal harmonisch, mal nicht – zu komplizierten komplexen, zu zu euphorischen & – in abhaengigkeit von stimmung, perspektive, dispositionen, grundhaltung, moral, normen & so weiter & so fort – gleichfalls zu pessimistischen assoziationen einladenden, uneindeutigen symbolcharakter aufweisenden, zwischen abstrakt & konkret oszillierenden, zweidimensionalen visualisierungen einer von kategorischen uebertragungsfehlern geplagten repraesentation deines aktuell stattfindenden kreativen prozesses. & du? du haeltst inne & sezierst, optisch: du bist nicht ueberzeugt; du bist unzufrieden. manisch bessert du aus, du uebertuenchst stoerfaktoren, du setzt kontrapunkte, du begutachtest, du wendest & du drehst, du lamentierst & du heulst, du kicherst, du faselst, du wisperst & du kreischst, du… hoerst auf. perfekt? VII. ein absoluter, irreparabler mist? II.

 

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zur kunst des zuhoerens zwischen den zeilen

es gibt Tage wo uns ein Lied beleidigt und der Tanz ein
       ekelhafter Knäuel ist dem du einen Fußtritt gibst
und eine schimmlige Mauer an der ich vorbeigehe
        ergreift mich mehr als ein geistreicher Film
– aus dem poem Antilyrik von Vítězslav Nezval

I
ja, am anfang duempelte es noch idyllisch vor sich hin, das nicht allein schon deshalb friedlich wirkende protoplasma deines semantischen entstehens; kaum drangen signifikante schwingungen von auszen hinein & wenn, dann hochgradig gedaempft, sozusagen insoweit sinnneutralisiert, weswegen ihre bedeutung dir, nein, vielmehr dem, aus dem du dich entwickeln solltest, in erster linie im schwingen selbst lag & nicht in einer via einen zu diesem zeitpunkt sowieso praktisch nicht vorhandenen eigenen erfahrungsschatz interpretierten, mittels permanent wachsender datenbanken – einschlieszlich unablaessig untereinander sich vernetzender konten – abgelagerten form. doch mit dem unbewussten – vom bewusstsein ganz zu schweigen – kam eine tueckische informationsflut; & seitdem ertrinkst du, beim versuch, tieferen atem zu holen. spuerst du das verlangen, deiner persona – erneut – etwas praeziser auf den grund zu gehen? VII. bevorzugst du es, dahingegen, den eitlen daemonenlarven stupidester unterhaltung zu huldigen, krabble insektoid gen V.

II
in deinem exzessiv adrenalinschaeumenden rachen staut sich eine jedweden vernuenftigen gedanken ruecksichtslos & unhoeflich ueberlaermende, unterdrueckende & verhoehnende, hektische lawine aus zornig aneinandergereihten worten; du harrst des passenden moments – der freilich niemals eintreten & sich dazu erniedrigen wird, das geschehen zu deinen gunsten zu beeinflussen –, um loszulegen. fahrig pruefst du die extravertierten erguesse deines gegenspielers auf luecken & pausen: es gibt keine! & darum setzt du sie auf eine finale karte, die pure essenz deines tatsaechlich aeuszerst ueberschaubaren repertoires, & ejakulierst, oral: einen blindgaenger; einen rohrkrepierer; einen schuss in den hitzig bollernden ofen! du stammelst peinlich wirren nonsens – &, der effekt: dein temporaerer intimfeind feixt, konzentriert seine kraefte, nimmt anlauf, wirft dich mit voller wucht ueber den haufen & zermalmt dich, unter seinem abnormen gewicht. danach kratzt er sich seinen fliegenumschwirrten, unangenehm herb mueffelnden hintern, gaehnt & zieht behaebig von dannen. & deine zerbrochenen knochen? die sammelt der wirt – einen kriegt sein seniler, lahmer hund, der rest wandert in ein abscheuliches sueppchen, das er dir am naechsten morgen frech zu regenerationszwecken kredenzt. hast du sie nicht endlich satt, deine staendigen niederlagen? rekalibriere dich: VIII!

III
vor lauter aggressiv geifernden & nichtsdestotrotz meist heimlich – du meidest direkte konfrontationen, wobei dir, besonders berauscht, deutlich andere regeln gelten –, hinter vorgehaltener hand getaetigten schuldzuweisungen – deine koepersprache provoziert; sie ist ein offenes, brennendes pamphlet – & simpel gestrickten projektionen der verantwortung fuer deine kuenstlichen probleme auf jene, denen du bei deinen antiglorreichen, scheindornengeschmueckten exkursionen begegnest, bist du dermaszen darauf fixiert, dich zum opfer zu stilisieren, dass dir die eigentliche wurzel des uebels entgeht. die option, den tod deines bombastisch aufgeblasenen, pessimistisch & panisch zwischen den oszillierenden jammerstadien seiner bizarren rolle gefangenen, tauben, blinden – & so weiter & so fort – egos per suizid – im uebertragenen sinne, versteht sich – zu induzieren, flimmert – es mangelt dir vollkommen an einsicht – jenseits des horizonts deiner aktuellen imaginationsfaehigkeiten. indes, dir hilft der zufall – du geraetst ins verwegen pulsierende herz eines spannungsgeladenen, spirituellen gewitters: VIII.

IIII
achtung: perfide schwafelattacke! das graessliche giftgeschoepf mit den drei gierig grimassierenden fratzen kann – hoert, hoert! – synchron – blosz die maeuler wechseln sich in der bewaeltigung ihrer aufgaben ab – schnaufen, fressen & dich – eben – mit den neuesten fixen ideen, unsaeglich oede ausgeschmueckten vergangenheitsberichten & unvorstellbar bornierten pseudoeskapaden maltraetieren & beschallen. korrekt; jede seiner fiesen visagen befiehlt ueber ihr sehr spezielles arsenal beziehungsweise sammelsurium an gemeinen & hinterhaeltigen floskeln, spruechen & abgefeimten redewendungen. folglich bedraengt dich eine laengst zur erdrueckenden, uebelkeitserregenden, aetzenden wand mutierte, verheerende geraeuschkulisse aus widerlichem schmatzen, keuchen, aechzen, rasseln & seltsam verquirlt – mal schleimig langsam, mal stakkatoartig auf dich einprasselnd – intonierten verben, adverben, substantiven, artikeln, adjektiven et cetera – & das nie ohne exorbitant belehrenden, patronisierenden, ueberheblichen & dich degradierenden unterton. mhm, da hagelt es details hanebuechener kuenstlerischer projekte & selbstgefaelliger betrachtungen, all die ach so dummen, moralisch minderwertigen – sic! – mitmenschen, die man dabei leider kategorisch zu ertragen habe thematisierender schwaenke, goennerhaft vorgetragene reiseanekdoten – die jeweiligen einheimischen von oben herab belaechelnd & sich dennoch groszzuegig, zumindest kurzzeitig, zu ihnen herablassend; o, die dankbaren & wie gnaedig man halt sei! – & aehnlichen unfug. saemtliche deiner konterangriffe scheinen zum scheitern verurteilt zu sein; der virulente sprachbrei deines widersachers quillt dir in den hals, presst auf deinen muerben kehlkopf & glitscht dir die wunde speiseroehre hinab – du verdaust, wirst infiziert & dazu verdammt, stupide nachzuplappern –, mehr als beistimmend nicken & hin & wieder ein unterwuerfiges richtig einschieben gelingt dir naemlich eh nicht. moechtest du es trotzdem wagen, den monolog zu einem dialog zu bekehren, ernte die fruechte deiner saat unter II. & falls du kapitulierst, eilst du wenigstens hernach zur quelle deines trostsurrogats: V.

V
ehrfuerchtig & gehorsam – geradezu kriecherisch –, unter tausend laecherlich uebertriebenen verbeugungen, hebst du – du ultrahoeriger adept eines allgegenwaertigen medienkults – den winzigen, unscheinbaren apparat vom neontriefenden altar. jawohl! du bist sklavisch tumber empfaenger & hoechstens in seltensten ausnahmefaellen ein ziemlich irrelevanter, schwacher sender. platzt du denn, permanent akkumulierend, nicht just deswegen fast aus deinen naehten, weil du kein veritables ablassventil besitzt? gut, gut; du schaltest ihn an & prompt steigert sich seine metaphorisch magnetische wirkung – eine boesartige hypnosetherapie zur erzeugung blindwuetig konsumierender marionetten – ins nahezu unermessliche: starr & prall – geplaettet – stierst du, unbeholfener suechtling – gefesselte fliege im netz einer megaabstrakten hyperarachnoidenschar –, auf die digitalisierte koederanzeige, inhalierst kodierte geraeusche, saugst unkritisch & undifferenziert ein: artifiziell hochgeputschte hasskampagnen & anbetung fragwuerdigster idole, pornographische katastrophen & massenhysterien, abgekartete tipps & tricks fuer pathologische profilneurotiker & narzissten, meinungsmache, verschwoerungstheorien & demuetigungen normabweichenden systemausschussmaterials, ferner virtuelle, mit definitivem geld zu erwerbende objekte zum anfixen, musikunterlegte hochglanzexhibitionisten & sonstigen firlefanz et cetera – aha! du vulgarisierter inputjunkie bar eines dich – nicht der rede wert, deine vagen sozialen kontakte – entlastenden outputkanals! muss dich – hierfuer steht uns, zum glueck, schier der gesamte spielraum unserer unseren vereinigten imaginationsmoeglichkeiten gemaeszen & angemessenen fiktionen zur verfuegung; mitnichten haben wir uns stur an irgendwelchen absurd strikten realismusvorstellungen zu orientieren – etwa ein wunder aus deiner misere befreien? VIII.

VI
die diversen dein handeln determinierenden & sich mitunter radikal beiszenden algorithmen – respektive: mag es ein einziger, dafuer immerhin extrem komplexer, schwerfaellig situativ & analog den unaufhaltsamen schwall der ununterbrochen hinzukommenden impulse in seinen entscheidungsprozess miteinbeziehender, zwischen nicht eindeutig klaren prioritaeten abwaegender sein – gelangen letztendlich zu einem fuer dich wohl durchaus typischen resultat: der flucht. & waehrend du zielstrebig & automatisch nachhause hastest, gefaellt sich dein geist in einer art von obskurem leerlauf & du halluzinierst eine truegerische vision. vor dir, im quasi nichts, schwebt ein zerfleddertes, zerfetztes, zerlesenes buch; du schlaegst es auf & registrierst sich zu skizzen formierende striche & symbole – primaer aus dreiecken, vierecken, kreisen & ihren fragmenten konsistierend –, diffus, ueberschmiert & verkritzelt – offensichtlich holprige anweisungen, bedingungen & ausloeser zur durchfuehrung der dir ueblichen, alltaeglichen rituale; nach erfuellung strebende, dir eingetrichterte prophezeiungen; elemente deiner praegung? –, genau, & halb herausgerissene seiten laden zur rekonstruktion ein – & du, du scheiterst, daran – & sonderbar kryptische saetze erzaehlen von ebensolchen begebenheiten, aus welchen du nicht schlau wirst, & nirgends ein anfang & nirgends ein schluss & unterm entziffern veraendert sich das ding & du greifst & bekommst nur schemen & schatten zu fassen & resignierst – & es flattert, kichernd, in die absolute dunkelheit zurueck. & du? sehnst du dich nach licht? III. & wendest du dich an deinen falschen goetzenGOtt? V.

VII
abend fuer abend vergraebst du dich nun mit der hoffnung in deinem entsprechend praeparierten bett – ausgeblendete stoerfaktoren, lediglich inspirierende reize umlodern kissen & decken –, nach dem einschlafen durch einen luzideren zustand befallen zu werden... na schoen, schauen wir also, was geschah: zahllose naechte zogen relativ ereignislos – natuerlich traeumtest du, jedoch ausschlieszlich konfuses – an dir vorueber. du gibst auf – einen zugang zu erzwingen gelingt dir nicht –, die wochen verblassten & vergehen – bald waren es monate, vielleicht sogar jahre – & du denkst nicht weiter daran, schuftest viel, in deinem job, lenkst dich in deiner freizeit ab, trafst dich mit vermeintlichen freunden & bekannten, laesst dich – dein aueszerer widerstand erlosch, nichtsdestotrotz brodelt, dazu komplementaer, deine innere unzufriedenheit hoch – von ihrem dir krankhaft anmutenden mitteilungsbeduerfnis ueberrollen & wirst folglich gleich einem muelleimer fuer unterschiedlichste belange – sie missbrauchen dich, deines erachtens, beispielsweise, um sich von ihren psychischen lasten zu loesen oder schlicht & egreifend ihre langeweile zu uebertuenchen & zu vergessen – herumgereicht, allerdings unter verzicht auf authentischen respekt, dir gegenueber; schnell bist du ihnen selbstverstaendlichkeit, resonanzkoerper, echokammer, verstaerker & skurriles instrument fuer ihre melodien, harmonien, kompositionen in personalunion geworden & gewesen – & irgendwann strandetest du im hinterzimmer einer ueblen kneipe, wo du dich einem besoffenen monstrum ausgeliefert siehst. stellst du dich, tapferkeit markierend, der herausforderung & gefahr? IIII. & nahmst du reiszaus? VI.

VIII
et voilà – wir praesentieren, stolz: einen waschechten & knallharten, totalen stromausfall… durchtrennt, die faeden, die dich hielten; dich trifft der blitz – spaet droehnten die donner, deiner initiation – & du, du vertriebst ihn, gerne: deinen fahlfaulblauen nabelnebel – aus dem verdrehten verstand der trance, entkommend, musterst du, seichtes terrain; & du schuettelst, ihn, jetzt deinen trotzkopf, & du heucheltest, unglaeubigkeit; & du marschierst, los, raus aus den staedten, mit ihren peniblen zwangsneurosenillusionen – den rostigen eisenseifenblasenfoltern, dem krallenlaubgesichtsdickicht... & stopp; genug! genug, der pervertierten, korrumpierten, delirierend delirierten, megalomanischen verzweiflungspoesien! genug. dein weg fuehrt dich vorbei, an intensiv bewirtschafteten, gigantischen aeckern & feldern mit sporadisch eingestreuten, rauchenden fabrikkomplexen, lagerhallen, silos, wohnanlagen fuer arbeiter, dienstleister, ingenieure & ihre familien – die zerschnittene, geometrisch dividierte landschaft aus recht gleichmaeszigen schachbrettmustern, kerzengeraden zubringerstraszen, baechen & fluessen deprimiert dich; du eilst –, hin zu extensiver genutzten, wilder wuchernden, von baumgruppen umrahmten wiesen & auen. schlieszlich erreichst du den rand eines dunklen, lang, breit & hoch ueber felsige huegelketten sich hinwegziehenden forstes – du raeusperst dich, verlaesst, endgueltig, die ausgetretenen pfade deiner kulturgetakten historie & ueberantwortest dich dem wald: es duftet nach harz & feuchtem moos, voegel zwitschern, spechte klopfen, der weiche, vor insekten wimmelnde rohhumusartige moder liebkost & kitzelt, gemeinsam mit verirrten, das nadeldach durchdrungen habenden sonnenstrahlen, wohltuend – trotzdem du hier kein element kalkulierter zielgruppen bist –, deine nackten fuesze; & du? du lauschst, nimmst wahr, nicht krampfhaft wertend, nicht krampfhaft analysierend, nicht krampfhaft missbilligend – & du erkennst, tendenziell, ein paar deiner gravierendsten fehler, makel & schlechten angewohnheiten & eigenschaften... da, ploetzlich, schrillt alarm! dein wecker laeutet! & du, du willst sie – deine schmerzenden, tauben glieder reibend; der abdruck des displays auf deinem antlitz erlischt – festhalten, in dir konservieren, die rapide dahinschwindenden fetzen des herrlichen, beinahe somnambul von dir erlebten, & scheiterst, daran. & du philosophierst – dich ergo resettend –, ueber die mystische, magische aera vor deiner geburt: I.